Zahlen sind Codes

Unsere natürlichen Zahlen sind Codes. Eine Zahl alleine sagt nichts aus.
Codes sind Stellvertreter der Realität auf die wir uns zur einheitlichen Verständigung geeinigt haben. Kinder müssen die Codierung lernen & durch Vorstellungskraft mit dem jeweiligen Sinn füllen, was eine erhebliche Denkleistung verlangt.

Zahlen Codes stehen für einen Wert (Geld, Distanz, …) oder eine Abfolge (Reihenfolge, Ordnung, …). Kinder beobachten & messen zuerst die realen Gegebenheiten, dann lernen sie die Realität zu abstrahieren, bevor sie mit nackten Zahlen rechnen können.

Das braucht Zeit & vielfältige reale Erfahrungsmöglichkeiten, nicht nur in der Schule, sondern auch im Alltag z.B. bezahlen beim einkaufen, sein Zimmer vermessen usw.. Es geht darum ein Gefühl für Wert & Abfolge zu entwickeln, um spätere Rechnungs-Resultate durch schätzen überprüfen zu können.

Der Zeitkrug

Eines Tages wurde ein alter Professor der französischen nationalen Schule von der Verwaltung gebeten, für eine Gruppe von etwa 15 Chefs grosser nordamerikanischer Unternehmen eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten.

Dieser Kurs war einer von fünf Stationen ihres eintägigen Lehrgangs. Der Professor hatte daher nur eine Stunde Zeit, sein Wissen zu vermitteln. Zuerst betrachtete der Professor in aller Ruhe einen nach dem anderen dieser Elitegruppe – sie waren bereit, alles, was der Fachmann ihnen beibringen wollte, gewissenhaft zu notieren -, danach verkündete er: „Wir werden ein kleines Experiment durchführen.“ Der Professor zog einen riesigen Glaskrug unter seinem Pult hervor, welches ihn von seinen Schülern trennte und stellte den Krug vorsichtig vor sich hin. Dann holte er etwa ein Dutzend Kieselsteine hervor,  ungefähr so gross wie Tennisbälle und legte sie sorgfältig, einen nach dem anderen, in den grossen Krug. Als der Krug bis an den Rand voll war und darin kein weiterer Kieselstein mehr  Platz hatte, blickte er langsam auf und fragte seine Schüler: „Ist der Krug voll?“ Und alle antworteten: „Ja“.

Er wartete ein paar Sekunden ab und fragte seine Schüler: „Wirklich?“ Dann verschwand er erneut unter dem Tisch und holte einen mit Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die grossen Kieselsteine und rüttelte  dann leicht den Topf. Der Kies  verteilte sich zwischen den grossen Kieselsteinen bis auf den Boden des Krugs. Der Professor blickte erneut auf und fragte sein Publikum: „Ist dieser Krug voll?“ Dieses Mal begannen seine schlauen Schüler seine Darbietung zu verstehen. Einer von ihnen antwortete: „Wahrscheinlich nicht!“ „Gut!“ antwortete der Professor.

Er verschwand wieder unter seinem Pult und diesmal holte er einen Eimer Sand hervor. Vorsichtig kippte er den Sand in den Krug. Der Sand füllte die Räume zwischen den grossen Kieselsteinen und dem Kies auf. Wieder fragte er: „Ist dieses Gefäss voll?“ Diesmal antworteten seine schlauen Schüler ohne zu zögern im Chor: „Nein!“ „Gut“, antwortete der Professor.

Und als hätten seine Schüler nur darauf gewartet, nahm er die Wasserkanne, die unter seinem Pult stand und füllte den Krug bis an den Rand. Dann blickte er auf und fragte seine Schüler: „Was können wir Wichtiges aus diesem Experiment lernen?“ Der Kühnste unter seinen Schülern dachte an das Thema der Vorlesung und antwortete: „Daraus lernen wir, dass – selbst wenn wir denken, dass unser Zeitplan schon bis an den Rand voll ist – wir, wenn wir es nur wirklich wollen, immer noch einen Termin oder andere Dinge, die zu erledigen sind, einschieben können.“ „Nein“, antwortete der Professor, „darum geht es nicht. Was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können ist folgendes: Wenn ihr die grossen Kieselsteine nicht als erstes in den Krug legt, werden sie später nicht alle hineinpassen.“

Es folgte ein Moment des Schweigens. Jedem wurde bewusst, wie sehr der Professor Recht hatte. Dann fragte er: „Was sind in eurem Leben die grossen Kieselsteine?“ Eure Gesundheit? Eure Familie? Eure Freunde? Die Realisierung eurer Träume? Das zu tun, was euch Spass macht? Dazuzulernen? Eine Sache zu verteidigen? Entspannung? Sich Zeit nehmen…? Oder etwas ganz anderes? Wirklich wichtig ist, dass wir die grossen Kieselsteine in unserem  Leben an die erste Stelle setzen! Wenn nicht, läuft man Gefahr, es nicht zu meistern… sein Leben. Wenn man zuallererst auf Kleinigkeiten achtet – der Kies, der Sand – verbringt man sein Leben mit Kleinigkeiten und hat nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge in seinem Leben. Deshalb denkt daran, euch selbst die Frage zu stellen: „Was sind die grossen Kieselsteine in meinem Leben? Dann legt diese zuerst in euren Krug des Lebens!“

Mit einem freundlichen Wink verabschiedete sich der alte Professor von seinem Publikum und verliess langsam den Saal…

Hinweis zur Quelle: Die Geschichte habe ich leider ohne Angabe eines Autors in den Tiefen meines Computers bei der Recherche für den Zeit-Beitrag gefunden. Wenn jemand die Quelle kennt, dann schreibt mir doch eine Nachricht.

 

 

 

 

Hast du Zeit?

Vor einiger Zeit hörte ich einen denkwürdigen Vortrag vom Zeitforscher Karlheinz Geissler. Der Inhalt des Vortrags fasst das folgende Zitat aus ZEIT online treffend zusammen:

Der moderne Mensch ist ein gehetztes Wesen. Er isst im Gehen, checkt Mails, wenn er im Bus sitzt, telefoniert auf dem Fahrrad, arbeitet mit Deadlines. Kaum ein Vorsatz für das neue Jahr wird in Umfragen häufiger genannt als:“Mehr Zeit haben für Familie und Freunde“. Wie aber kann es sein, dass wir uns immer mehr Zeit wünschen, obwohl wir eigentlich immer mehr davon haben?

Herr Geissler sprach davon, dass wir als Menschen auf ein Leben im Rhythmus eingestellt wären, aber leider hat uns die Uhr den Takt gebracht. Dazu habe ich für die Schule einen Foliensatz als Denk-Anstoss erstellt. Wie könnte eine Schule im Rhythmus aussehen?

Lebst du im Rhythmus oder im Takt

In einem Interview im GEO Wissen-Ausgabe Nr. 62 „Zeit für die Seele“ sagt Herr Hartmut Rosa, dass die Beschleunigung der Zeit im 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Kapitalismus angefangen habe. Die Gesellschaft verdiente in immer weniger Zeit immer mehr Geld, der Wohlstand stieg.

Überall ging es zunehmend darum, das Vorgängige zu überbieten.

Mit jeder neuen Technologie sparten die Menschen mehr Zeit und erweiterten ihren Horizont, was zu neuen Aufgaben und Möglichkeiten führte. Wir seien süchtig nach Optionen und denken, dass diese uns das Glück brächten. Dabei war lange der Fortschritt mit einer besseren Zukunft verknüpft. Heute strampeln sich viele ab, um mindestens den Status Quo zu behalten. Sie haben Angst abzusteigen.

Wir investieren alles, was wir haben, nicht etwa, damit unsere Kinder eine bessere Zukunft haben – sondern damit ihre Zukunft nicht noch schlechter aussieht als die Gegenwart.

Diese Aussage stimmt mich sehr traurig. Es ist vielleicht so, dass das Vorgängige bald einmal nicht mehr überboten werden kann, dann hören wir auf mit dieser Spirale nach „höher, weiter, schneller“ und gönnen uns mehr Musse.

Es muss weder für uns noch für unsere Kinder immer das Optimum sein, denn „gut ist gut genug“. Vielleicht sind wir dann materiell ärmer, aber seelisch reicher und v.a. wieder näher am Rhythmus, statt uns vom Takt antreiben zu lassen.

Ich wünsche mir schon jetzt Zeit zu haben. Was mir viel Zeit schenkt ist, dass ich eher unbeschwert durch die Welt gehe und nicht viel Zeit mit grübeln verbringe. Zudem versuche ich mich nicht von Möglichkeiten verführen zu lassen, was mir meist nur mässig gelingt. Ich bemühe mich Prioritäten zu setzen, also mich bewusst für gewisse Dinge zu entscheiden und diese gut zu machen, dabei schmerzt es mich schon, was ich alles nicht machen kann. Die Welt ist halt einfach so spannend.

Wie nimmst du dir Zeit?

Hinweis: Hier findest du eine Geschichte zum Zeit-Management lesen.

 

 

 

Vom Wert des Ärgers

„Du Mami, kann wütend werden auch gut sein?“
„Warum fragst du?“
„Ich wollte vorhin einen Bambusstab absägen, aber es ging nicht gut, dann wurde ich wütend und habe fester gesägt und dann hat’s geklappt.“
„Ja, das kann sein, denn der Ärger setzt als Reaktion auf das Gefühl Energie im Körper frei und darum hat man mehr Kraft, was durchaus positiv genutzt werden kann.“ Einige Minuten später.

„Dann muss ich schauen, dass ich vor dem nächsten Rennen wütig bin, dann renne ich noch viel schneller.“

Für alle, die (wie ich) nicht immer die Ruhe selbst sind und auch mal explodieren, pädagogisch ganz unprofessionell. Macht euch kein schlechtes Gewissen und lest das Buch von Verena Kast „Vom Sinn des Ärgers. Anreiz zu Selbstbehauptung und Selbstentfaltung“. Mir hat`s enorm geholfen mit der aufsteigenden Emotion umzugehen und sie zu akzeptieren als Gefühl, welches wertvoll ist & viel zu oft der Harmonie zu liebe unterdrückt wird.