Hast du Zeit?

Vor einiger Zeit hörte ich einen denkwürdigen Vortrag vom Zeitforscher Karlheinz Geissler. Der Inhalt des Vortrags fasst das folgende Zitat aus ZEIT online treffend zusammen:

Der moderne Mensch ist ein gehetztes Wesen. Er isst im Gehen, checkt Mails, wenn er im Bus sitzt, telefoniert auf dem Fahrrad, arbeitet mit Deadlines. Kaum ein Vorsatz für das neue Jahr wird in Umfragen häufiger genannt als:“Mehr Zeit haben für Familie und Freunde“. Wie aber kann es sein, dass wir uns immer mehr Zeit wünschen, obwohl wir eigentlich immer mehr davon haben?

Herr Geissler sprach davon, dass wir als Menschen auf ein Leben im Rhythmus eingestellt wären, aber leider hat uns die Uhr den Takt gebracht. Dazu habe ich für die Schule einen Foliensatz als Denk-Anstoss erstellt. Wie könnte eine Schule im Rhythmus aussehen?

Lebst du im Rhythmus oder im Takt

In einem Interview im GEO Wissen-Ausgabe Nr. 62 „Zeit für die Seele“ sagt Herr Hartmut Rosa, dass die Beschleunigung der Zeit im 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Kapitalismus angefangen habe. Die Gesellschaft verdiente in immer weniger Zeit immer mehr Geld, der Wohlstand stieg.

Überall ging es zunehmend darum, das Vorgängige zu überbieten.

Mit jeder neuen Technologie sparten die Menschen mehr Zeit und erweiterten ihren Horizont, was zu neuen Aufgaben und Möglichkeiten führte. Wir seien süchtig nach Optionen und denken, dass diese uns das Glück brächten. Dabei war lange der Fortschritt mit einer besseren Zukunft verknüpft. Heute strampeln sich viele ab, um mindestens den Status Quo zu behalten. Sie haben Angst abzusteigen.

Wir investieren alles, was wir haben, nicht etwa, damit unsere Kinder eine bessere Zukunft haben – sondern damit ihre Zukunft nicht noch schlechter aussieht als die Gegenwart.

Diese Aussage stimmt mich sehr traurig. Es ist vielleicht so, dass das Vorgängige bald einmal nicht mehr überboten werden kann, dann hören wir auf mit dieser Spirale nach „höher, weiter, schneller“ und gönnen uns mehr Musse.

Es muss weder für uns noch für unsere Kinder immer das Optimum sein, denn „gut ist gut genug“. Vielleicht sind wir dann materiell ärmer, aber seelisch reicher und v.a. wieder näher am Rhythmus, statt uns vom Takt antreiben zu lassen.

Ich wünsche mir schon jetzt Zeit zu haben. Was mir viel Zeit schenkt ist, dass ich eher unbeschwert durch die Welt gehe und nicht viel Zeit mit grübeln verbringe. Zudem versuche ich mich nicht von Möglichkeiten verführen zu lassen, was mir meist nur mässig gelingt. Ich bemühe mich Prioritäten zu setzen, also mich bewusst für gewisse Dinge zu entscheiden und diese gut zu machen, dabei schmerzt es mich schon, was ich alles nicht machen kann. Die Welt ist halt einfach so spannend.

Wie nimmst du dir Zeit?

Hinweis: Hier findest du eine Geschichte zum Zeit-Management lesen.

 

 

 

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