Lasst uns edel scheitern!

„Das ist unfair. Ihr seid viel strenger als andere Eltern.“
Wenn es darum geht Regeln auszuhandeln oder unseren Kindern Grenzen aufzuzeigen, versuchen wir ihnen jeweils zu erklären, dass dies unsere Regeln und Grenzen als Eltern sind. In anderen Familien können diese ganz anders aussehen.
Letzte Woche stand wieder mal so ein Gespräch an. Ich sagte, dass wir versuchen so gute Eltern zu sein, wie nur möglich. Wir seien uns jedoch bewusst, dass Kinder, wenn sie erwachsen werden, ganz Vieles, was die Eltern machten, ganz doof finden werden, vielleicht sogar einen Knacks deswegen haben. Wir hätten sie auf jeden Fall mega lieb, aber Eltern seien einfach auch nur Menschen, die ab und zu gute, aber eben auch schlechte Entscheidungen treffen.
Einer der Beiden meinte darauf, dann sei es ja gut, wenn sie nicht immer gehorchten, dann seien sie selber auch etwas schuld an ihrem zukünftigen Knacks.

Wenige Tage später flatterte die NZZ, die ich wegen der Serie „So gelingt Erziehung“ abonniert habe, ins Haus. Der Psychologe Ph. Ramming sprach im Interview u.a. darüber, ob es die optimale Erziehung gebe. Dabei sagte er auf die Frage: Können Eltern ihre Kinder überhaupt richtig erziehen?

Nein, die Frage ist eher: Passt eine Erziehung oder nicht? Nicht alle Eltern sind gleich gute Eltern für jede Altersstufe: Manche Mütter sind Babymütter, haben aber Stress in der Pubertät; manche Väter sind Fussballväter und können früher oder später mit ihren Kindern nichts anfangen. Jeder Elternteil hat sein eigenes Profil: Manchmal passt es besser, manchmal weniger gut. Erziehung ist Scheitern in Raten. Eltern sollten aber den Ehrgeiz haben, bei der Erziehung edel, vornehm und in höchster Eleganz zu scheitern.

„Erziehung ist Scheitern auf Raten“. Meine Worte. Dies ist nicht als Desillusionierung gedacht, sondern als Entkrampfungsangebot, also einfach Vertrauen ins Kind und sich selber zu haben.

Dabei sehe ich Parallelen zur Kommunikation.  Nach F. Schulz von Thun ist das Missverständnis die Regel. Dabei ist es doch erstaunlich wie oft wir uns doch irgendwie verstehen.

Dasselbe denke ich, ist bei der Erziehung auch de Fall. Obwohl das Scheitern die Norm ist, begeben sich die meisten Kinder als junge Erwachsene auf einen guten Weg. Das bedeutet Hoffnung und Mut für alle Eltern, darum lasst uns in höchster Eleganz und in gegenseitiger Unterstützung scheitern!

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