Das gewisse Etwas – Exzellenz

Es duftet aus der Küche. In gezügelter Vorfreude schaue ich nach, ob meine Ahnung stimmt. Und da steht sie auf der Ablage. Eine frische Züpfe. Ich nehme ein Holzbrett hervor und schneide mir ein Stück ab. Schon beim ersten Bissen merke ich, dass dies eine besonders gute Züpfe ist. Sie ist schmackhaft und luftig, aber nicht trocken.

Ich denke, dass sie nicht von unserem Beck sein kann, auch nicht aus einem der Grossverteiler. Schnell komme ich auf die Idee, dass mein Mann heute bei seinen Eltern gewesen ist und dort hat es eben einen Beck, der macht meiner Meinung nach extrem gute Züpfe.

Dass ich dies jedoch so genau spüren würde, hat mich doch überrascht. Um meine Vermutung zu bestätigen, schaute ich auf die Papiertüte und genau so war es.

Warum ist es möglich, dass jemand mit den genau gleichen Zutaten (Mehl, Milch, Butter…) eine so viel bessere Züpfe, als andere, machen kann. Alles sind Bäcker, also ausgebildete Profis, alle versuchen natürlich so gute Backwaren wie möglich herzustellen, da sie ja ihre Kunden begeistern möchten, dennoch ist ein Unterschied schmeckbar.

Liegt es an der Qualität der Zutaten?

Es gibt einfach Menschen, die haben das gewisse Etwas. Sind in einer gewissen Aufgabe sehr talentiert. Dies ist wohl nur schwer erlernbar, weil es keine Methode und schon gar nicht messbar ist. Ein besonderes Gespür für eine Arbeit oder den Umgang mit Menschen.

Was ist deine Exzellenz? Strebst du danach?

Paddelst du noch oder tauchst du schon?

Ein Riff ist von der Wasseroberfläche aus nur schemenhaft zu erkennen. Es liegt im Wasser verborgen. Dasselbe gilt für den Eisberg. Von einem Eisberg ist nur die Spitze sichtbar, der grösste Teil des Eisberges ist von der Wasseroberfläche aus unsichtbar. Das Eisbergmodell basiert nach Wikipedia auf dem Pareto-Prinzip von 20/80 und gilt allgemein als Modell für die Sichtbarkeit von Dingen, der Persönlichkeit oder der Kommunikation.

In der Kommunikation ist grob gesagt die Sachebene im sichtbaren Bereich und die Beziehungsebene im unsichtbaren Bereich. Kombiniert mit dem Satz vom kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentlich ist für das Auge unsichtbar,“ würde es bedeuten, dass nur die Beziehungsebene wesentlich ist, aber die Sachebene nicht.

 

Eisbergmodell

 

Das Eisbergmodell und das Zitat reduzieren die menschliche Wahrnehmung auf den visuellen Bereich. Es geht ums Da-Sein oder Verborgen-Sein. Das Unsichtbare ist ge-wichtiger, wesentlicher, als das Sichtbare.

Wenn ich nun aber mit einer Tauchausrüstung ins Wasser steige, dann ist auch der vermeidlich unsichtbare Teil des Eisbergs plötzlich in meinem Sichtfeld. Wird er damit weniger wesentlich, weil er versachlicht wird?

Ist die Einteilung in sichtbar und unsichtbar eine Relative? Hängt es wesentlich von meinem Standpunkt ab, wie ich die Dinge sehe oder eben nicht? Bin ich bereit einen Aufwand zu betreiben, um mein Bild zu erweitern? Darf oder soll ich sogar Dinge aus dem Unsichtbaren ins Sichtbare holen?

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentlich ist für das Auge unsichtbar

Die Trennung zwischen sichtbar und unsichtbar ist eine Künstliche, denn in allem steckt beides. Es gibt keine Wasseroberfläche, die die Beziehungsebene von der Sachebene trennt. In der der Begegnung von Menschen, steckt Beziehung und Sache, vermischt und auf sich einwirkend und beziehend.

Darum kann der kleine Prinz mit dem Herzen sehen. Die Sache wird durch die Beziehung betrachtet. Darum empfehle ich tauchen, statt paddeln.