Freie Schulwahl – Plädoyer für die Volksschule als Lebensort

Im Newsletter des LCH (Verband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz) bin ich auf das Thema freie Schulwahl gestossen.

Dieses Thema wird in der Schweiz aktuell von der elternlobby mittels einer Pedition in diversen Kantonen lanciert. Ihre Behauptung, dass das heutige Schulsystem zwar allen Kindern gerecht werden möchte, aber an Grenzen stosse und „[z]uviele Kinder leiden und können ihr Potenzial nicht entfalten“ sei mal einfach so erwähnt. Schon auf den ersten Blick fällt auf der elternlobby-Website der Bericht der OECD ins Auge. Die OECD ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (in Europa). Die OECD ist in erster Linie an einer freien Wirtschaft interessiert und erst in zweiter Linie am Wohle und dem Lernen der Kinder. Auffällig ist dabei schon, warum die OECD so ein grosses Interesse an der Bildung hat.

Ich empfehle euch die Argumente der elternlobby zu lesen und dann auch die Gegenargumente des LCH, um euch ein eigenes Bild zu machen. Dazu möchte ich auch einen Ausschnitt aus dem NZZ Artikel: Wer heute die Schulen regiert,  anfügen, weil er schon eine gewisse Entwicklung aufzeigt, welche ich zumindest für überdenkenswert halte. Dieser Artikel bezieht sich auf das Buch von Richard Münch: Der bildungsindustrielle Komplex. Schule und Unterricht im Wettbewerbsstaat, welches ich aktuell lese. Daher hat mich die Thematik auch gerade so angesprochen.

Zitat aus dem NZZ-Artikel: „die OECD hat seit rund dreissig Jahren sehr wohl einen starken Einfluss auf die Schweizer Bildungspolitik, wie die Erziehungswissenschafterin Regula Bürgi in ihrer Forschung minuziös belegen konnte.

Der damals noch weitgehend unbekannte Andreas Schleicher, ursprünglich Physiker und Statistiker, wurde bereits in den 1990er Jahren regelmässig in Bern gesichtet, auf Besuch beim Bundesamt für Statistik, das Feuer und Flamme für die Idee war, den seinerzeit noch weitgehend autonom laufenden Schweizer Bildungsbetrieb genauer in Zahlen zu fassen. Ein prächtiges Betätigungsfeld! Doch die OECD hatte ein besonderes Problem mit ihrem treuen Mitglied Schweiz. Es fehlte ein Ansprechpartner auf Regierungsebene, denn in diesem föderalistischen Unikum gibt es keinen nationalen Bildungsminister mit Durchgriffsrecht; die Volksschule ist bekanntlich Sache der Kantone. In diesem Vakuum schlug die Stunde der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), die sich fortan als Scharnier zur OECD etablierte – und damit auch ihre Stellung im Inland gegenüber dem Bund massiv stärkte. Die OECD wiederum baute ihre Vormacht in der internationalen Bildungspolitik aus, indem sie – in Eigenregie, nicht etwa auf Anweisung ihrer Mitgliedstaaten – in den 1990er Jahren Pisa erfand und sich dadurch ihrerseits unentbehrlich machte. (…)

Niemand war in der Schweiz empfänglicher für die Ideen der OECD als Ernst Buschor, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der HSG und selber ein glühender Verfechter von NPM [New Public Management]. Als er in die Zürcher Regierung gewählt wurde und 1995 die Bildungsdirektion übernahm, hatte Buschor sein ideales Feld für Reformen gefunden. Er wollte fortan nicht mehr nur auf den Input achten wie die traditionelle Bildungsverwaltung, die oft aus gelernten Pädagogen bestand, sondern stärker auf den Output. Buschor verlangte mehr Effizienz und pochte auf harte Zahlen dazu, was die Schulen am Ende des Jahres wirklich liefern. (…)

Zentrale Reformen im Geiste von New Public Management waren die Einführung von Schulleitungen, die Beurteilung einzelner Lehrpersonen oder die Evaluierung ganzer Schulen. All dies war in der Lehrerschaft anfangs höchst umstritten, zumal wenn eine Beurteilung lohnwirksam war. Denn so manches, was empirische Bildungsforscher als wichtige Instrumente zur Messung von Qualität sehen, kam bei den Lehrpersonen vor allem so an: noch mehr Berichte, Formulare ohne Ende, sinnlose Bürokratie.“

Die Mehrheit der rund 100 000 Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz hat sich inzwischen mit den Dauerreformen arrangiert, aber es gibt rote Linien. Zum Beispiel jene, dass sich Schulen nicht wie Firmen führen lassen. «Schulleiter sind keine CEO», sagt Jürgen Oelkers. Und die Volksschule ist nicht einfach ein Markt. Der «Turboreformer» Buschor bekam seine Grenzen zu spüren, als das Zürcher Stimmvolk im Jahr 2003 seine im Volksschulgesetz gebündelten Reformen an der Urne versenkte. Auch die Skepsis gegenüber mehr schulischem Wettbewerb ist weiterhin gross. So wurden die diversen kantonalen Initiativen zur freien Schulwahl, die genau dies wollten, in den letzten Jahren überall klar verworfen. Der Markt für Privatschulen bleibt eng, umso fester ist die öffentliche Schule verankert, auch wenn sie teuer ist.“ Zitat Ende.

Die eigentliche Idee von NPM war, die Schulen effizienter und günstiger zu machen. Das Gegenteil ist geschehen. Die Schulen wurden tendenziell, auch durch die zunehmenden Schülerinnen- und Schülerzahlen und die gestiegenen Ansprüche, teurer und die allgemeine Belastung durch die vielfältigen Anforderungen und Ansprüche nahm zu. Was wir heute haben ist ein anspruchsvolles Gebilde bestehend aus sicherheits-liebenden Schulleitungen, belasteten Lehrpersonen, in vielen Kantonen externer und interner Evaluation, Beraterinnen, Controller und Eltern, welche ihrem Kind alle Steine aus dem Weg räumen. Ob es da die beste Idee ist, zum Wohle der Kinder, durch die freie Schulwahl den Wettbewerb anzukurbeln und noch mehr Druck aufzubauen, wage ich zu bezweifeln.

Anstatt die freie Schulwahl zu pushen, könnte man sich auch fragen, wie sich die jetzige Volksschule verändern könnte, dass die Kinder weniger Druck von Eltern und Schule empfinden und die Lehrpersonen wieder mehr Energie haben. Denn schon heute gewähren die Volksschulgesetze und der Lehrplan21 gestaltbaren Spielraum für die Schulen, welcher zur Entlastung und Innovation genutzt werden darf.

Es wäre an der Zeit die Evaluiererei, Dokumentiererei und Testerei runterzufahren, wie es übrigens der Lehrplan21 im Kt. Bern zulässt und einfach zusammen zu lernen. Vieles, was eine Volksschule mit lernförderlichem Klima ausmacht, ist jedoch nicht messbar oder wie Walter Herzog dies bzgl. dem letzten Pisa Test ausdrückt: „Gemessen wird nicht, was pädagogisch wichtig ist, sondern pädagogisch wichtig wird, was sich mit den verfügbaren Instrumenten messen lässt!“

Die Volksschule ist so viel mehr, als Wettbewerb und Messungen. Sie ist ein Lebensort.

Mit einer akzeptierten und geschätzten Volksschule, welche von Eltern, Behörden und einer solidarischen Gesellschaft getragen wird, erleben Kinder eine Schulzeit, welche ihnen Zeit lässt, sie fordert, stärkt und ihnen Möglichkeiten für die Zukunft anbietet. Diese Sichtweise entlastet alle und schafft die nötige Leichtigkeit, Freude und Gelassenheit, welche schlussendlich das Lernen positiv beeinflusst!

In der Volksschule soll Vertrauen, Beziehung und Kooperation vorherrschen und nicht der Wettbewerb.

 

 

 

Die Geschichte vom Pinguin auf der Eisscholle

Ein Pinguin, etwas so alt wie du, sitzt vor einem Schneehaufen und dreht sich um sich selbst. Seine Welt ist weiss, schneeweiss, teilweise mit gelben Spuren oder schwarzen Sprenkeln. Der Schnee ist mal weich, mal hart wie Eis. Das Eis wirkt nur weiss, aber in Wirklichkeit ist es durchsichtig mit eingeschlossenen Luftblasen und blauem Schimmer, wenn die Sonne hineinscheint. Das ist die Welt, welche der Pinguin kennt und welche für ihn vertraut und natürlich ist. Der Pinguin ist gerne hier. Er hat genug zu essen, Freunde und Familie und es herrscht ein angenehmes Klima. Für ihn kann das Leben so bleiben wie es ist.

In seiner Zufriedenheit bemerkt, der Pinguin nicht, dass sein Zuhause immer kleiner wird. Die riesige Eisscholle schmilz. Eines Tages spürt der Pinguin eine Erschütterung. Seine Welt scheint für ein paar Sekunden zu beben. „Das kann nicht sein!“, denkt sich der Pinguin. „Meine Welt ist stabil und fällt nicht so leicht aus den Fugen.“ „Rumms“, schon wieder. Langsam wird es dem Pinguin ungemütlich, er beginnt sich Sorgen zu machen, was das wohl sein könnte und beschliesst eine Runde zu watscheln. Weit weit weg von seinem Schlafhügel, sieht er zum ersten Mal, dass er sich nicht am Südpol, auf festem Boden befindet, sondern auf einer unglaublich grossen Eisscholle, die im Meer treibt und an deren Grenzen riesige Eisberge abbrechen. Sein ganzes Weltbild fällt mit einem Schlag zusammen. Die vermeintliche Stabilität ist nichts als Illusion.

Sein ganzes Weltbild fällt zusammen. Die vermeintliche Stabilität ist nichts als Illusion. Nach dem ersten Schock über die unvollständige Vorstellung von seinem Zuhause, denkt er darüber nach, inwieweit seine Welt eine Relative sei.

Nach dem ersten Schock über die unvollständige Vorstellung von seinem Zuhause, denkt er darüber nach, inwieweit seine Welt eine Relative sei. Er erinnert sich, dass er früher viele Fragen hatte: Ob es noch mehr Schattierungen von weiss gebe, als man hier sehen könne? Ob es auch Orte gebe, die vielleicht «nicht-weiss» seien? Auf seine Fragen bekam der Pinguin nur ein mitleidiges Lächeln, ein Achselzucken oder ein genervtes Stöhnen als Antwort. So hörte er auf zu fragen.

Der Pinguin, welcher sein Leben lang nie etwas anderes als weiss gesehen hat, glaubt nicht wirklich, dass es ausser weiss etwas gibt. Aber was wäre, wenn doch? Auch wenn der Pinguin keine Vorstellung von «nicht-weiss» hat, heisst das nicht, dass es «nicht-weiss» nicht gibt. Der Pinguin erwacht aus seiner Bequemlichkeit und macht sich auf eine Reise ins Ungewisse, um sich überraschen zu lassen. Sein Plan ist zuerst eine bisschen Eisschollen-Hopping zu machen und sich dann vorsichtig immer weiter von seinen vertrauten Gefilden weg zu bewegen und auf der anderen Seite des Horizonts in eine vollkommen andere Welt – eine «nicht-weisse» Welt – einzutauchen.

Auch wenn der Pinguin keine Vorstellung von «nicht-weiss» hat, heisst das nicht, dass es «nicht-weiss» nicht gibt.

Die Idee zur Geschichte entstammt einem Bild von Prof. Dr. E. Forster, HS2018 Uni Fribourg und der Diskussion: Was «menschlich» ist? Was als normal empfunden wird? Was es bedeutet in eine andere Kultur einzutauchen? Ob wir bereit sind anderen Werten und Normen die gleiche Akzeptanz zukommen zu lassen, wie Unseren (auch wenn wir sie absolut nicht nachvollziehen können)?

Ich dachte mir, dass die Geschichte gut zu Weihnachten passt, da sie den solidarischen Gedanken der Gleichwürdigkeit aller Menschen und ihrer Ideen illustriert und gleichzeitig auch ermuntert eine Reise in eine neue unbekannte (Gedanken-) Welt anzutreten.

Lieber Samichlaus

Der 6. Dezember ist dein grosser Tag. Ein Tag, den die Kinder herbeisehnen und auch die Eltern in eine nostalgische Stimmung versetzt. Es ranken viele Legenden, um deine Herkunft. In den einen bist du ein reicher Waisenjunge, der seinen Gewändern Taschen annähen lässt, um den armen Kindern Mandarinen und Nüsse bringen zu können (Morgenthaler, 1971). In einer anderen Überlieferung geht dein Besuch bei den Kindern auf das Gleichnis der anvertrauten Talente aus der Bibel zurück, wo du die Kinder befragst, ob sie brav und fromm seien.

Noch heute beinhaltet dein Besuch eine Beurteilung des Verhaltens der Kinder. Hast du dir schon mal überlegt, was dies für die Kinder bedeutet? „Ein Kind, das die bewussten oder unbewussten Wünsche der Eltern erfüllt, ist ein „gutes“ Kind; wenn es sich aber weigert, dies immer zu tun und eigene Wünsche hat, die den elterlichen zuwiderlaufen, wird es als egoistisch und rücksichtslos bezeichnet“ (Miller, 2016, S.9). Böse, berechnende, faule und eifersüchtige Kinder bekommen von dir die Rute.

Weisst du, was mit Kindern (später den Erwachsenen) passiert, die nie ihre Gefühle, wie Eifersucht, Zorn, Verlassenheit, Ohnmacht und Angst zeigen und ausleben durften? Solche Kinder verlieren den Zugang zu ihren echten Gefühlen und damit ihr wahres Selbst. Sie verleugnen sich und ihre Emotion, um den Eltern und auch dir zu entsprechen. Die Kinder versuchen sich damit die Liebe der Eltern und auch deine Anerkennung zu verdienen.

Bist du wirklich der Meinung, dass nur anständige und verständnisvolle Kinder deine Zuneigung verdienen? Brauchen nicht auch Kinder, die eben nahe an ihren Gefühlen sind und diese auch zeigen genauso viel Liebe und Anerkennung?

Lieber Samichlaus, ich hoffe, dass du in diesem Jahr keine Ruten verteilt und bei allen Kindern viele ermutigende Worte aus deinem grossen Buch vorgelesen hast. Worte, die den Selbstwert und die Selbstannahme der Kinder stärkten. Nur wer sich selber wirklich liebt, kann auch andere lieben (ebd., S.10).

So wie sich deine Geschichte in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gewandelt und zurückbesonnen hat, könnten wir deine Legende nach der Idee von Verena Morgenthaler zu Ende erzählen: „Nikolaus schritt durch die Strassen, warf seine Gaben unter die Menge und machte diesen Tag zu einem grossen Fest“ (Morgentahler, 1971).

Ich wünsche dir eine festliche und nachdenkliche Adventszeit!

 

Quellen:

  • Beitragsbild: Morgenthaler, V. (1971). Die Legende vom St. Nikolaus. Zürich: Orell Füssli Verlag. -> vergriffen
  • Miller, A. (2016). Das wahre Drama des begabten Kindes. und die Suche nach dem wahren Selbst (30. Auflage). Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

Wurzeln und Flügel

Gleich ist nicht gleich gleich. Gleichheit ist in unserer pluralen Welt nicht gerecht. Dazu gibt es in der Schule ein sehr bekanntes Bild. Auf diesem Bild bekommen verschiedene Tiere die Aufgabe auf einem Baum zu klettern. Es ist offensichtlich, dass ein Fisch oder auch eine Giraffe diese Aufgabe nicht erfolgreich bewältigen kann, darum ist eine gleiche Aufgabe für alle nicht gerecht. Was ist aber gerecht, wenn es nicht die Gleichbehandlung ist?

Das oben skizzierte Bild illustriert den Tenor der heutigen Zeit, was die Ansprüche an Bildung allgemein und im Speziellen an die Schule darstellt. Jedes Kind soll individuell seinen Möglichkeiten entsprechend gefördert werden, das empfinden wir als gerecht, ob es leistbar ist, das überlegen wir vielleicht schon etwas weniger.

Dies war nicht immer so. Die Wirklichkeit (wie es ist) und die Möglichkeit (wie es sein könnte) von Schule entsprechen jeweils den Werten und Normen der Gesellschaft der jeweiligen Zeit.

Was heisst das nun für die Schweiz? Auf Wikipedia findest du die ganze Geschichte des Schweizerischen Schulsystems. Hier nur ein kurzer Abriss: Lange Zeit bestand Schule aus auswendig lernen, später wurde der Frontalunterricht eingeführt und danach gab es leider einen Rückschritt. Statt Pestalozzi wurde nun nach den Lancasterschulen, welche v.a. auf Drill setzten, unterrichtet. Dagegen wehrten sich die Reformpädagogen. Diese setzten auf handlungsorientierten Unterricht und Selbsttätigkeit. In diese Richtung zogen auch Maria Montessori, Paulo Freire oder Rudolf Steiner. Viele der damals neuen Ideen haben Einzug in die Volksschule gefunden.

Aktuell stehen mit der Einführung des Lehrplans 21 Lernlandschaften, Projektlernen, Spielen und ausserschlisches Lernen hoch im Kurs. Auch experimentieren verschiedene Lehrpersonen mit dem Raum als Lernort und der Organisation des offenen Lernens mit Logbuch oder Kompetenzrastern.

Dies relativ neuen Ansätze wollen den veränderten Ansprüchen an Bildung durch die Gesellschaft gerecht werden. Es sollen kritisches Denken geschult werden, reflektieren der eigenen Motivation und des Lernstandes, auch Umgang mit Computer und das Arbeiten in Gruppen, sprich allgemein ausgedrückt: Die Fähigkeit alleine oder mit anderen zusammen ein komplexes Problem zu lösen.

Zurück zum Baum mit den Tieren. Unter einer der Karikaturen, welche ich angeschaut habe, steht: Unser Bildungssystem. Ich habe keine Ahnung, wer das geschrieben hat, in welchem Kanton oder Land der- oder diejenige wohnt, aber es hat mich getroffen. Ist das wirklich so? Befinden wir uns wie in diesem Video beschrieben in einer Bildungskrise? Vielleicht ist es nicht nur eine Bildungskrise, sondern eine Gesellschaftskrise, weil ja eben die Schule ein Teil der Gesellschaft ist?

Vielleicht machst mal wieder einen Besuch in einer Schule und schaust, wie es wirklich ist. Nur weil der Unterricht immer noch in den oft sehr alten Schulgebäuden stattfindet, heisst es noch lange nicht, dass es immer noch so ist, wie früher. Und wenn du findest, dass sich etwas ändern muss, um Kinder noch individueller, freier und lustvoller begleiten zu können, dann nehmen wir jede Hilfe gerne an.

Die Schule kann die Gesellschaft nicht einfach selber verändern. Wir können nicht selber mehr Regellehrpersonen und Speziallehrpersonen ausbilden. Wir können auch nicht selber kleinere Klassen finanzieren oder gar eine ganz neues Art der Lernens einführen von der wir heute noch keine Ahnung haben, denn Schule ist ein Teil der Öffentlichkeit.

Dazu braucht es dich. Du hast die Möglichkeit Geschichte zu schreiben, indem zu dich für ein Amt bei deiner Gemeinde meldest, indem du wählen gehst, indem du der Schule zu einem guten Ruf verhilfst, indem …

Danke, wenn du uns unterstützt, damit die Schule ein Ort sein kann, wo sich Kinder entfalten, ihre Stärken und Schwächen entdecken, Gemeinschaft erleben und Möglichkeiten erträumen können, denn zwei Dinge sollen Kinder aus der Schulzeit mitnehmen: Wurzeln und Flügel. (Sprichwort von Goethe, etwas abgeändert)

Der Zeitkrug

Eines Tages wurde ein alter Professor der französischen nationalen Schule von der Verwaltung gebeten, für eine Gruppe von etwa 15 Chefs grosser nordamerikanischer Unternehmen eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten.

Dieser Kurs war einer von fünf Stationen ihres eintägigen Lehrgangs. Der Professor hatte daher nur eine Stunde Zeit, sein Wissen zu vermitteln. Zuerst betrachtete der Professor in aller Ruhe einen nach dem anderen dieser Elitegruppe – sie waren bereit, alles, was der Fachmann ihnen beibringen wollte, gewissenhaft zu notieren -, danach verkündete er: „Wir werden ein kleines Experiment durchführen.“ Der Professor zog einen riesigen Glaskrug unter seinem Pult hervor, welches ihn von seinen Schülern trennte und stellte den Krug vorsichtig vor sich hin. Dann holte er etwa ein Dutzend Kieselsteine hervor,  ungefähr so gross wie Tennisbälle und legte sie sorgfältig, einen nach dem anderen, in den grossen Krug. Als der Krug bis an den Rand voll war und darin kein weiterer Kieselstein mehr  Platz hatte, blickte er langsam auf und fragte seine Schüler: „Ist der Krug voll?“ Und alle antworteten: „Ja“.

Er wartete ein paar Sekunden ab und fragte seine Schüler: „Wirklich?“ Dann verschwand er erneut unter dem Tisch und holte einen mit Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die grossen Kieselsteine und rüttelte  dann leicht den Topf. Der Kies  verteilte sich zwischen den grossen Kieselsteinen bis auf den Boden des Krugs. Der Professor blickte erneut auf und fragte sein Publikum: „Ist dieser Krug voll?“ Dieses Mal begannen seine schlauen Schüler seine Darbietung zu verstehen. Einer von ihnen antwortete: „Wahrscheinlich nicht!“ „Gut!“ antwortete der Professor.

Er verschwand wieder unter seinem Pult und diesmal holte er einen Eimer Sand hervor. Vorsichtig kippte er den Sand in den Krug. Der Sand füllte die Räume zwischen den grossen Kieselsteinen und dem Kies auf. Wieder fragte er: „Ist dieses Gefäss voll?“ Diesmal antworteten seine schlauen Schüler ohne zu zögern im Chor: „Nein!“ „Gut“, antwortete der Professor.

Und als hätten seine Schüler nur darauf gewartet, nahm er die Wasserkanne, die unter seinem Pult stand und füllte den Krug bis an den Rand. Dann blickte er auf und fragte seine Schüler: „Was können wir Wichtiges aus diesem Experiment lernen?“ Der Kühnste unter seinen Schülern dachte an das Thema der Vorlesung und antwortete: „Daraus lernen wir, dass – selbst wenn wir denken, dass unser Zeitplan schon bis an den Rand voll ist – wir, wenn wir es nur wirklich wollen, immer noch einen Termin oder andere Dinge, die zu erledigen sind, einschieben können.“ „Nein“, antwortete der Professor, „darum geht es nicht. Was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können ist folgendes: Wenn ihr die grossen Kieselsteine nicht als erstes in den Krug legt, werden sie später nicht alle hineinpassen.“

Es folgte ein Moment des Schweigens. Jedem wurde bewusst, wie sehr der Professor Recht hatte. Dann fragte er: „Was sind in eurem Leben die grossen Kieselsteine?“ Eure Gesundheit? Eure Familie? Eure Freunde? Die Realisierung eurer Träume? Das zu tun, was euch Spass macht? Dazuzulernen? Eine Sache zu verteidigen? Entspannung? Sich Zeit nehmen…? Oder etwas ganz anderes? Wirklich wichtig ist, dass wir die grossen Kieselsteine in unserem  Leben an die erste Stelle setzen! Wenn nicht, läuft man Gefahr, es nicht zu meistern… sein Leben. Wenn man zuallererst auf Kleinigkeiten achtet – der Kies, der Sand – verbringt man sein Leben mit Kleinigkeiten und hat nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge in seinem Leben. Deshalb denkt daran, euch selbst die Frage zu stellen: „Was sind die grossen Kieselsteine in meinem Leben? Dann legt diese zuerst in euren Krug des Lebens!“

Mit einem freundlichen Wink verabschiedete sich der alte Professor von seinem Publikum und verliess langsam den Saal…

Hinweis zur Quelle: Die Geschichte habe ich leider ohne Angabe eines Autors in den Tiefen meines Computers bei der Recherche für den Zeit-Beitrag gefunden. Wenn jemand die Quelle kennt, dann schreibt mir doch eine Nachricht.