Ist es wirklich „einfach so“?

Ein Thema beschäftigt mich seit mehreren Woche und zwar aus einer persönlichen Betroffenheit.

Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie längere Zeit 80% extern gearbeitet hat. Ihr Mann hat Zuhause (Kinder & Haushalt)  gearbeitet. Nach einiger Zeit wollte er auch wieder tieferprozentig extern arbeiten. Um sich so schnell als möglich am neuen Arbeitsplatz einarbeiten zu können, arbeitete er kurzzeitig auch 80%, um dann zu reduzieren. In dieser Zeit stellte das Ehepaar fest, dass der Mann erheblich mehr verdient, obwohl er weniger Erfahrung hat und beide 80% angestellt waren. Die beiden haben genau dieselbe Ausbildung und denselben Job bei der gleichen Firma. Die Frau fragte bei ihrem Vorgesetzten nach, warum das so sei. Die Antwort war: „Es ist in dieser Firma einfach so.“

De Vorfall ist schon zwei, drei Jahre her, aber der Schmerz, dass ihre Erwerbsarbeit, einfach weil sie eine Frau ist, weniger gut bezahlt wird und somit auch weniger wertgeschätzt wird, war immer noch deutlich spürbar, auch das Unverständnis. Leider hat sie sich nicht weiter gewehrt.

Heute arbeitet der Mann 100% extern und sie Teilzeit, obwohl sie eigentlich lieber mehr extern arbeiten möchte. Aber, wenn der gleiche Aufwand mehr Geld einbringt, ist dies verständlicherweise eine strukturell erzwungene, ökonomische Entscheidung.

Dies war das erste Mal für mich, dass mir eine Frau diese Ungerechtigkeit so offen und ehrlich geschildert hat. Aus den Medien habe ich schon davon gelesen, aber das war bis dato weit weg. Und persönlich habe ich bis jetzt damit keine Erfahrung, welche mir bewusst wäre, denn in der Volksschule werden Frauen und Männer gleich gut bezahlt. Ich bin dankbar dafür.

Aktuell lese ich gerade von L. Althusser „Ideologie und ideologische Staatsapparate“. Der Titel tönt fürchterlich, aber es hat ein paar spannende Aspekte zur Funktion des Lohns für eine errichtete Arbeit drin. Einerseits kann sich der Mensch durch den Lohn alle lebenserhaltenden Güter kaufen und sein biologisches Überleben sichern. Andererseits reproduziert der Lohn die bestehenden Verhältnisse. Das wichtigste an seinen Ausführungen finde ich, dass Lohn historisch schon immer verhandelbar war. Lohn ist keine fixe Grösse. Die Höhe und Art des Lohns wird von Menschen festgesetzt und ist somit veränderbar (Althusser, 2010, S.40/41) und eben nicht „einfach so“.

Ich bin klar dafür, dass Lohnungleichheit abgeschafft werden muss. Es ist einfach nicht verständlich und v.a. nicht würdig. Seht euch dazu auch dieses Video an, der Gesichtsausdruck der Kinder spricht Bände „Gender Pay Gap erklärt: Kinder kämpfen um Süßigkeiten“