Eine denkwürdige Reise

Das Format Denkreise ist kein Kurs. In den drei Tagen, welchen wir uns als Gruppe mit der Schule 2030 im Zeitalter des Digitalen Wandels auseinandergesetzt haben, würde ich dem Namen entsprechend als ergebnisoffene Reise bezeichnen. Dabei entwickelte sich eine unglaubliche Energie, die mich persönlich nachhaltig beflügelt hat.

Denkreise ist … Die Energie aus dem gemeinsamen Tun in den Alltag überschwappen lassen.

Mich faszinierte an dieser Denkreise vor allem, wie es dazu kam, dass wir in diesen Modus der Energie gelangten. Dazu meine ganz persönlichen Gedanken.

Heike Bruch und Bernd Vogel  (2005) schreiben in ihrem Buch „Organisationale Energie“, dass eben die Energie einer Firma, oder hier bei uns einer Gruppe, wesentlich dafür ist, wie sie performt. Energie ist jedoch so ein „flutschiger“ Begriff, der nur schwer fassbar und beschreibbar ist, weil er gefühlt werden muss. In ihrem Modell beschreiben sie, dass sich Gruppen entweder in der produktiven Energie, der angenehmen Trägheit, der resignativen Energie oder korrosiven Energie befinden können. Ich würde nun mal behaupten, dass sich Schulen oft in der angenehmen Trägheit befinden. Der Alltag läuft mehr oder weniger geschmeidig und die Rollen und Aufgaben sind klar (siehe Blogbeitrag, runterscrollen).

Um nun eine Gruppe in die produktive Energie zu bewegen und damit den Möglichkeitsraum zu öffnen, sagen Bruch und Vogel, dass ein sogenannter „Sense of Urgency“ hergestellt oder empfunden werden muss. Bevor überhaupt etwas passiert, muss gefühlt und werden, dass etwas passieren sollte. Dies kann einerseits durch eine Krise oder Zukunftschancen ausgelöst werden.

Denkreise ist … Gemeinsam Zukunftschancen entwickeln und erste Schritte planen.

Die Mobilisierung von Energie durch eine Krise haben wir während der Schulschliessung durch die Corona-Pandemie erlebt. Was in dieser kurzen Zeit an Neuem, vor allem auch im digitalen Bereich an den Schulen aufgebaut wurde, das ist unglaublich.

Bei der Denkreise haben wir als Gruppe nun erlebt, wie durch Zukunftschancen genau diese produktive Energie auch freigesetzt werden kann. Natürlich waren alle Personen, die sich für die Denkreise angemeldet haben auch Willens sich berühren und irritieren zu lassen und brachten eine grosse Offenheit mit. Die Offenheit schloss auch die Akzeptanz und Würdigung der einzelnen Teilnehmenden und deren Ideen ein. Diese Voraussetzung macht es natürlich etwas leichter zu starten. Für mich ist es dennoch erstaunlich, dass sich rund 25 Personen, welche sich mehrheitlich vorher nicht kannten, in so kurzer Zeit so viel Möglichkeiten erdenken konnten.

Denkreise ist … Die Würde des Menschen ins Zentrum zu stellen.

Rahel und Felix schafften es die vorhandenen Ressourcen der Gruppen zu aktivieren. Sie führten uns an inspirierende Orte und passten fortlaufend das Programm den Bedürfnissen der Gruppe an. Sie gaben meist den Rahmen und die Methoden vor, liessen aber den Teilnehmenden inhaltlich viel Mitwirkungsplatz. Dies war nur möglich, weil sie selbst keine fixe Vorstellung hatten, was bei der Denkreise herauskommen sollte. Sie hielten die Unsicherheit aus, zeigten eine hohe Chaoskompetenz und legten das Gelingen in die Verantwortung der Gruppe. Der Raum war echt offen und konnte von den einzelnen Personen gefüllt und gestaltet werden. Und das passierte!

Denkreise ist … Jeder bringt sich ein und jede nimmt was mit.

Genau diese Rolle der Ermöglichung und der Gestaltung von partizipativen Prozessen ist für mich die Aufgabe der Leitung. Ob dies nun in der Schule ist oder sonstwo. Leiterinnen und Leiter müssen nicht (besser) wissen, was zu tun ist. Sie müssen nicht selbst eine Vision haben für die Schule 2030 oder für ein neues Produkt. Ihre Vision ist mehr eine Haltung oder moderner ausgedrückt das Mindset des Ermöglichens, des Begleitens, des Unterstützens und des Stärkens und darauf Vertrauen, dass die Chancen in den Menschen schon da sind.

Dazu gehört auch dafür zu sorgen, dass die hochfliegenden Gedanken und Ideen Auswirkungen auf das Heute, die Gegenwart haben und ein erster Schritt in die gemeinsame Richtung vereinbart wird.

Ich hoffe, dass es noch ganz viele Denkreisen zu den verschiedensten Themen und Fragestellungen geben wird. Dass immer mehr Menschen entdecken, dass es unheimlich Spass macht und Energie freisetzt gemeinsam Zukunftschancen zu ersinnen und mit einer ungefähren Vorstellung dann einfach mal zu machen.

Denkreise ist … Den Kopf in den Wolken und die Füsse auf dem Boden.

 

Hinweis: Die Denkreise zur Schule 2030 wurde von Rahel Tschopp und Felix Hollenstein organisiert (Juli 2020).

Experimentelle Schulführung

Diese Art der Schulführung treibt mich seit einiger Zeit um. Ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit zum Thema: „Berufseinstieg von Schulleitungen“. In den Interviews geht es u.a. darum, was denn Schulführung ist und wie diese von den Schulleitungs-Noviz_innen erlebt und gestaltet wird. Dabei wirken diese Interviews natürlich auch auf mich selbst und mein berufliches Selbstverständnis zurück.

Als ich nun heute den Blog-Beitrag von Philippe Wampfler zum Thema Design-Thinking gelesen habe, hat mich dies motiviert meine Gedanken in diesem Beitrag zu teilen.

Wir versuchen an unserer Schule immer wieder Neues in die bestehende Organisation zu integrieren.

Dabei ist mir wichtig, dass nicht einfach Neues eingeführt wird, weil das Alte nicht mehr gut ist, sondern weil es einfach spannend ist Neues zu entdecken.

Diese Neugierde versuch(t)e ich auch bei den Lehrpersonen zu wecken und heute sind wir so weit, dass es ein Teil unserer Schulkultur ist.

Ich habe den Beitrag bewusst nicht experimentelle Schulentwicklung genannt, sondern experimentelle Schulführung. Schulführung umfasst für mich u.a. geteilte Werte und Haltungen und wie diese in einer Schule gelebt werden. Die Schulkommission hat diese Haltung sogar in unserer Strategie 2019-2022 verankert: „Wir bleiben offen für Neues“.

Meist gehen wir nach einem ähnlichen Schema vor, wenn wir etwas Neues ausprobieren wollen.

  1. Jemand hat eine Idee, welche mit dem Team oder mit mir geteilt wird.
  2. Meine Rolle als Schulleiterin ist es, diese Idee zu triagieren, was bedeutet, dass zuerst mal abgeklärt werden muss, wer alles davon betroffen sein würde und wer sozusagen ins Boot geholt werden muss oder eben auch nicht.
  3. Wenn eine Lehrperson oder das Team die Idee umsetzen will, dann wird meist eine verantwortlich Person bestimmt, welche als Themen-Hüter_in agiert.
  4. Dann bestimmen wir eine Pilot-Zeit, welche so 3-12 Monate umfasst, um mit der Idee zu experimentieren.
  5. In den Konferenzen werden die persönlichen Erfahrungen geteilt und teilweise auch bewertet.
  6. Am Schluss der Pilot-Phase wird entschieden, ob und in welcher Form das Experiment weitergeführt wird oder nicht.

Der Vorteil des Experimentier-Ansatzes ist es, dass es Personen die Neues ausprobieren wollen nicht hindert und Personen, die eher Sicherheit brauchen nicht überfordert.

Der Experimentier-Zugang gibt eher kritischen Personen die Möglichkeit etwas Neues mal nur auszuprobieren oder auch nur zu beobachten. Es wird keine unnötige Energie in den Widerstand gesteckt. Teilweise setzt auch nicht das ganze Team das Neue um, sondern nur ein paar Lehrpersonen, die davon überzeugt sind. Die Anderen können einfach beobachten und informell daran teilhaben. Auch im passiven Dabei-sein findet eine Auseinandersetzung mit dem Neuen statt.

Das „Müssen“ wird minimiert und das „Dürfen“ gestärkt.

Der offene Ausgang führt zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit der Sache.

Somit wird jedes Experiment  zum Gewinn. Entweder haben wir etwas Neues erprobt und für gut befunden, so dass es implementiert wird oder wir haben etwas erprobt und für nicht tauglich befunden und wissen genauer, was wir nicht wollen.

Ich bin sehr überzeugt von diesem Ansatz und freue mich, wenn es andere Schulleitungen gibt, die auch Erfahrungen damit haben, wenn wir in einen offenen Austausch kommen könnten, ganz im Sinne der experimentellen Schulführung.

Hinweis: Das Beitrags-Bild stammt aus unserem Pilot-Projekt „SchatzZeit“, wo wir versuchen präventiv auf den Grundlagen des „Schulfach Glücks“ die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler zu stärken.

Kreativität braucht Feedback

Ich habe schon mehrere Texte und Filmchen zu Design Thinking genossen und oft gedacht, dass dies doch eigentlich ein ganz natürliches Vorgehen beschreibt, wie Neues in die Welt kommt. Erwachsene versuchen damit (Kunden-) Probleme zu lösen, Kinder nutzen dies im freien Spiel.

Ich bin der Überzeugung dass wir Design Thinking im Blut haben! Und zwar von Geburt an. (Zitat aus Publishing-Blog)

Folgende Situation scheint mir dies zu bestätigen. Letzthin zeigte mir unser Sohn ein Lego- Gebilde. Ich fragte ihn, wie er das gebaut habe. Seine Antwort war. „Ich mache es wie du, wenn du einen Text schreibst. Du hast gesagt, dass du einfach mit einem Text beginnst und sich dann die Gedanken von selber ordnen. Also: Ich wollte etwas bauen. Ich hab dann einfach angefangen, dann ist die Landschaft nach und nach entstanden.

Gell, wenn man nicht anfängt, entsteht auch nichts.

Er sagte weiter, dass er sein Gebilde seinem Bruder zeige und der ihm sage es sei toll. Manchmal sage er auch, was er anders machen könnte & liefere weitere Ideen zum weiterbauen. Kreativität & Feedback- Schlaufen sind wohl wirklich in uns drin.

Vielleicht setzt du sie heute bewusst ein. Oder du fängt einfach mal an, das umzusetzen, was du immer schon tun wolltest.