Das gewisse Etwas – Exzellenz

Es duftet aus der Küche. In gezügelter Vorfreude schaue ich nach, ob meine Ahnung stimmt. Und da steht sie auf der Ablage. Eine frische Züpfe. Ich nehme ein Holzbrett hervor und schneide mir ein Stück ab. Schon beim ersten Bissen merke ich, dass dies eine besonders gute Züpfe ist. Sie ist schmackhaft und luftig, aber nicht trocken.

Ich denke, dass sie nicht von unserem Beck sein kann, auch nicht aus einem der Grossverteiler. Schnell komme ich auf die Idee, dass mein Mann heute bei seinen Eltern gewesen ist und dort hat es eben einen Beck, der macht meiner Meinung nach extrem gute Züpfe.

Dass ich dies jedoch so genau spüren würde, hat mich doch überrascht. Um meine Vermutung zu bestätigen, schaute ich auf die Papiertüte und genau so war es.

Warum ist es möglich, dass jemand mit den genau gleichen Zutaten (Mehl, Milch, Butter…) eine so viel bessere Züpfe, als andere, machen kann. Alles sind Bäcker, also ausgebildete Profis, alle versuchen natürlich so gute Backwaren wie möglich herzustellen, da sie ja ihre Kunden begeistern möchten, dennoch ist ein Unterschied schmeckbar.

Liegt es an der Qualität der Zutaten?

Es gibt einfach Menschen, die haben das gewisse Etwas. Sind in einer gewissen Aufgabe sehr talentiert. Dies ist wohl nur schwer erlernbar, weil es keine Methode und schon gar nicht messbar ist. Ein besonderes Gespür für eine Arbeit oder den Umgang mit Menschen.

Was ist deine Exzellenz? Strebst du danach?

Wenn Nebensächliches zur Hauptsache wird

Es ist schon eine Weile her, da habe ich aus Eichelhütchen einen Kranz gemacht. Florale Kränze sind für mich wie Bilder aus der Natur. Ich habe also, ausgestattet mit einem Strohkranz, Eicheln und Heissleim, am Tisch gewerkelt, als einer der Buben fragte, ob er helfen könne. Ich machte ihm Platz und sagte ihm, dass er mir aus dem Sack mit dem Sammelsurium aus dem Wald die Eichelhütchen heraussuchen soll. Dies klappte prima und ich kam zügiger voran als vorher.

Nach einer Weile begann er jedoch aus den Eichelhütchen Kolonnen auf dem Tisch zu legen. Ich durfte immer nur das oberste Hütchen nehmen. Er musste dann alle nachschieben und ich hatte zu warten. Zu Beginn machte ich bei seinem Spiel mit, aber ich war nun extrem viel langsamer als vorher. Ich wies ihn darauf hin, dass er mir doch helfe, aber er entwickelte sein eigenes Spiel weiter und nun durfte ich keine Eichelhütchen mehr aus seiner Kolonne nehmen.

Ich merkte, dass er ein eigenes Ziel entwickelt hatte, nämlich eine möglichst lange Eichelhütchenkolonne zu machen. Dieses Ziel entsprach aber nicht dem ursprünglichen, und von mir aus gesehen, übergeordneten Ziel.

Ich dachte daran, dass wir teilweise auch bei der Arbeit oder in der Erziehung das übergeordnete Ziel aus den Augen verlieren. Darum habe ich die Situation nochmals neutraler beschrieben und gezeichnet.

Jemand braucht Hilfe bei der Erfüllung eines Zielt. Jemand hilft und übernimmt eine Aufgabe. Die Aufgabe wird eine Zeit lang gewissenhaft erledigt und hilft somit das Ziel schneller und besser zu erreichen

das_übergeordnete_ziel

Mit der Zeit wird dem Helfenden seine Aufgabe sehr wichtig und er/sie beginnt die Aufgabe zu optimieren und entwickelt daraus eigene Kriterien zur Beurteilung der Qualität. Er/Sie definiert sein/ihr persönliches Ziel.

das_übergeordnete_ziel_2

Das persönliche Ziel nimmt viel Raum ein und wird wichtiger als der ursprüngliche Auftrag. Der Helfende schaffte es nicht mehr die Aufgabe fristgerecht abzuliefern. Der Helfende ist somit kein Helfer mehr, sondern wird mit den besten Absichten zum Ziel-Verhinderer.

Mit diesem Beispiel will ich in keiner Art und Weise sagen, dass jeder Auftrag genauso ausgeführt werden soll, wie er erteilt wird. Natürlich soll jeder/jede mitdenken, aber dabei darf das übergeordnete Ziel nicht verloren gehen. Sonst wird Nebensächliches zur Hauptsache.

Dazu stellte ich mir selber die Fragen:

  • Welchen übergeordneten Zielen bin ich verpflichtet?
  • Wo behindern meine persönlichen Ziele die Übergeordneten?
  • Wie kann die Ziel-Diskrepanz minimiert werden?